Freitag, 5. September 2014

„ Huldigung und Verehrung ... von einem dankbaren Schüler in Staatsbürgerschaft an den Lehrmeister... ”*

Unser letzter kleiner Ferienausflug ging ins Badische - nicht zuletzt seit der Beschäftigung mit den USA-Auswanderern unter den 1848ern interessiert mich, was von der Geschichte des badischen Aufstandes und seines Endes noch vorhanden ist und wie mit diesen Überresten umgegangen wird.


Rastatt feiert dieses Jahr allerdings ein anderes historisches Ereignis: den Friedensschluss von 1714, zu dem wir im schönen Stadtmuseum  (unter dem link findet sich neben den Informationen zum Museum auch eine kleine Stadtgeschichte) eine Ausstellung gesehen haben.




Grenzpfosten und Fahne für die Delegation der Stadt zur Offenburger Versammlung im Museum 







Zu den Ereignissen von 1849 sahen wir dann im Schloss die Dauerausstellung „Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte” des Bundesarchivs. Die Ausstellung verdankt sich dem Einsatz Gustav Heinemanns als Bundespräsident (dessen Urgroßvater selbst 48er war).

Das Rastatter Schloss, links hinten der Eingang zur Erinnerungsstätte 

Die gut gemachte und moderne Ausstellung krankt leider ein bisschen an den Räumen, in denen sie untergebracht ist - die Verfolgung der Zeitläufe folgt verwirrenden Schlangenlinien. Wie immer waren wir spät dran und haben „nur” den Teil zur Revolution 1848 ausführlicher angesehen. 


„Zeitstrahl" zur Revolution mit Berliner Barrikade 


Erfreulich ist jedenfalls der grundsätzlich positive Tenor, mit dem hier über Aufstand und Widerstand berichtet wird - die Sympathie der Ausstellungsmacher gehört unübersehbar den Revolutionären. 


Europäische Revolutionshüte - Hecker, Kossuth, Garibaldi 


Ein ganzer Raum ist der Belagerung Rastatts und dem Massaker an den gefangen genommenen Aufständischen im Juli 1849 gewidmet.

Diorama der Festung Rastatt mit den Pickelhauben der Unterdrücker 

Carl Schurz, der spätere Befreier Kinkels aus Berliner Haft und noch später US-Innenminister, hat sich in letzter Minute verstecken, der Verhaftung entziehen und über Abwässerkanäle fliehen können. Er ging dann über Frankreich ins Schweizer Exil.

Bei einem anschließenden Spaziergang durch die Stadt verfolgten wir den gut präsentierten Weg auf den Spuren der Demokraten. 


Das Gasthaus, in dem Amalie Struve während der Haft ihres Mannes Gustav wohnte 
und von wo aus sie aktiv am Widerstand teilnahm 


Das Rathaus, vor dem 14. Mai 1849 Lorenz Brentano 
die angetretenen Truppen auf die Reichsverfassung vereidigte 

Carl Schurz' Wohnhaus während der Belagerung 


(Kleiner) Gedenkstein für den Ort, an dem Schurz entkam 


Großer Gedenkstein für die erschossenen Demokraten, 
„Gewidmet 1899 von Sozialdemokraten und Demokraten aus Deutschland und Amerika”


Nachdem wir kürzlich schon in Kirchheim-Bolanden dem Freischarweg folgen konnten, freute es uns besonders, dass auch in Rastatt ein unübersehbar markierter Weg, zu dem es einen überall verfügbaren Flyer gibt (s.o.), zu den Stätten der Revolution führt und so zur Erinnerung beiträgt.

*aus Mark Twains Nachruf auf Carl Schurz


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