Montag, 8. September 2014

... gar nicht so viel dicker als Tinte

Vor ein paar Jahren habe ich mich eine Zeitlang intensiver mit Familienforschung beschäftigt und ein paar hochinteressante Quellen zur Herkunft meiner Familie finden können.

Damals stolperte ich wie ein Kind durch die Tiefen und Untiefen des Netz und fand eine Genealogie-Website, die meine Familiendaten auf einen Schlag um viele Generationen ergänzte. Dazu hatte die Betreiberin, die verdiente Heidi Banse aus Michelstadt, auch noch einen Aufsatz über eine frühe Vorfahrin von mir veröffentlicht, in dem sie kenntnisreich und liebevoll die Geschichte der Neubesiedlung des Odenwaldes nach dem 30-jährigen Krieg durch Schweizer Bauern schildert. Die Judith Kunz aus diesem Bericht ist meine Urgroßmutter in der 8. Generation!

Hier eine graphische Darstellung der mir bekannten Nachfahren von Judith Kuntz (1647 - 1689) und Hans-Heinrich Brunner (1625 - 1688) bis zur Generation meines Großvaters Adam Brunner (links oben (1895 - 1977). Heidi Banse hat übrigens mit schweizer Material eine Verwandtschaftslinie bis zurück zu Albert Heusser, der im 14. Jahrhundert (!) auf der Insel Ufnau im Zürichsee lebte, zurück verfolgt, das ist mein Urgroßvater in der 17. Generation!




Natürlich bin ich inzwischen sowohl am Zürichsee wie in Ober-Mossau gewesen. Besonders interessant und aufschlussreich und ein gutes Beispiel für die Verknüpfung von privater und öffentlicher Geschichte ist es, dass die Brunners nach dem dreißigjährigen Krieg in einen aufgelassenen Ort - Ober-Mossau - kamen, den noch im Krieg der letzte Einwohner, Jacob Schaaf (keine Daten bekannt, Vater des 1632 in Seeheim geborenen Valentin Schaaf) verlassen hatte, um sich in Seeheim an der Bergstraße niederzulassen. Ausgerechnet dieser Valentin Schaaf ist ein direkter Vorfahr, der Großvater in 9. Generation, meiner in Seeheim geborenen Frau!

So bodenständig regional übrigens die Vorfahren meines Vaters als Bauern und Handwerker im Odenwald und seit dem 19. Jahrhundert in Arheilgen lebten (mein Ur-Großvater war noch als Schumacher zweimal in der Woche aus Fränkisch-Crumbach dorthin und zurück gelaufen...) und damit die Forschung vergleichsweise einfach machen, so unklar und bewegt stellt sich die Familie meiner Mutter dar. Der letzte mir bekannter Vorfahre in direkter Linie Bringmann ist „nur” mein Urgroßvater Friedrich Bringmann, * um 1870 in Bilshausen/Harz. Von meiner Großmutter mütterlicherseits dagegen gibt es eine ganze Menge genealogischer Erkenntnisse, die ich wohl einem Nazi-Vorfahren verdanke, der sich weit über die üblichen Recherchen zum Ahnenpass hinaus seiner arisch-germanisch-christlichen Vorfahren versicherte. Daher kenne ich immerhin meinen 5-fachen Großvater: Johann Engel Hölzemann, * 1763 in Nieder-Dreisbach.

So gerne ich das Zitat nutze, wonach wir als Zwerge auf den Schultern von Riesen stehen, um so daran zu erinnern, wie viel wir der Arbeit und den Kämpfen der Altvorderen verdanken, so wenig bietet meine Genealogie Riesen im übertragenen Sinne. Mit einer Verwandtschaftslinie zu Karl dem Großen kann und will ich nicht dienen. Im Übrigen geben kenntnisreiche Genealogen zu bedenken, dass durchschnittlich jedes 16. Kind zum Vater nicht den Ehemann der Mutter hat, ohne dass das aktenkundig würde. So gesehen endet jeder Nachweis von Blutsverwandtschaft ohnehin nach etwa 8 Generationen ...



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen