Mittwoch, 6. April 2016

Stadt der Frauen - na und?

Im Berliner Ephraimspalais zeigt die dort ansässige Stiftung Stadtmuseum Berlin in Zusammenarbeit mit dem Lette-Verein unter dem Titel „Berlin - Stadt der Frauen” eine Präsentation von „20 Biografien, die Geschichte erzählen” (website).

Am Freitag, dem 1. April, habe ich sie für etwa 2 Stunden besucht.

Berlin, Ephraimspalais. Eingang mit Ausstellungshinweis 

Durchgängig freundlich bis euphorisch formulierte Besprechungen hatten Erwartungen geweckt - so Tilmann Krause in der WELT, Maria Ossowski für den rbb, auch Antje Allroggen führte ihr Gespräch mit der Kuratorin Martine Weinland für den Deutschlandfunk mit freundlicher Zustimmung, und die Bloggerin Doris Lautenbach  beendet ihre Besprechnung „Die unbedingt sehenswerte Ausstellung ist eine Kooperation mit dem LETTE VEREIN BERLIN, der, gegründet zur „Förderung des weiblichen Geschlechts“ jetzt 150-jähriges Jubiläum feiert.”

Was gibt es zu sehen? 

Die meist knappen Lebensdaten von Frauen, die in den letzten 200 Jahren in Berlin gelebt und gearbeitet haben, werden mit unterschiedlich ausführlichen Materialien präsentiert. 

Blick in den Raum über Käthe Kollwitz

Der Text zu Anna Schepeler-Lette

Büste der Anna Schepeler-Lette 

Letztlich blieb mir unerfindlich, warum nun gerade diese Frauen ausgewählt und, erst recht, warum andere ausgelassen wurden. Glücklicherweise kann sich das Berlin der letzten 200 Jahre ja auf ein paar mehr als nur diese bemerkenswerten Frauen berufen, und auf einige nicht präsentierte wohl mehr als auf einige der Ausgewählten. 

Befremdlich scheint mir das Fehlen von Rosa Luxemburg und Clara Zettkin, von Helene Weigel und Gisela May (die übrigens unweit des Ausstellungsortes lebt ...), von Gabriele Tergit und Anne-Marie Fabian und und und ... 

Nun ist es das gute Recht und die unvermeidliche Pflicht von Ausstellungsmacherinnen, auszuwählen und vorzuziehen. Eine solche Auswahl ist im gute Falle verständlich und im besseren auch noch erläutert. Davon kann hier leider keine Rede sein. 

Außerdem soll das Präsentierte repräsentativ sein und wesentliche Informationen nicht vorsätzlich verschweigen. 

Zu den vorgestellten Künstlerinnen gehört die wunderbare Renée Sintenis (1888 - 1965). Ganz unabhängig von der Ausstellung waren wir im Vorfeld auf sie und ihr Werk gestoßen und hatten uns ein wenig vorbereitet - immerhin steht auf dem Berliner Renee-Sintenis-Platz ihr wunderschönes „Grasendes Fohlen” (ein Hinweis auf den Platz fehlt in der Ausstellung). 

Renèe Sintenis. Grasendes Fohlen (1929)

Und in der höchst sehenswerten, gleichzeitigen Ausstellung „Die schwarzen Jahre” im Hamburger Bahnhof stehen mehrere ihrer Werke, darunter dieser schöne Knabenkopf: 



Renè Sintenis: Portraitbüste des Carl Alexander von Uexküll (1943),
des Sohnes der (in der Ausstellung ebenfalls unerwähnt gebliebenen)
Nadine von Radowitz und Edgar von Uexkülls 
Es hat uns in der Vorbereitung unserer Reise wenig Mühe gekostet, über Renée Sintenis mehr herauszufinden als das, was diese bedauernswert dürftige Präsentation bietet. Leider ist das kein Einzelfall; auch zur wahrhaft bedeutenden Hedwig Dohm oder zu Anna Schepeler-Lette bietet die Austellung weniger als wikipedia. 


Zentraler Raum im 2. OG, der zur Kommunikation über die Ausstellung hinaus einladen soll 
Am Ende der Aufreihung von Beliebigkeiten von Personen und Gegenständen landet die geneigte Besucherin in der oben abgebildeten Endstation, von wo die Aufforderung ausgehen soll, in „sozialen Medien” unter dem hashtag #stadtderfrauen Stellung dazu zu beziehen, ob Berlin 2016 „Deine Stadt der Frauen” ist. So recht virulent ist das noch nicht, ich finde bei twitter seit dem 1. April sage und schreibe 10 Einträge - was ja vielleicht insofern besser ist, als dann ja auch weniger Besucherinnen enttäuscht werden.

Der Sache der Frauen und Feminismus wird hier jedenfalls kein Gefallen getan - mit einem solchen Aufwand weiter nichts zu präsentieren als 20 durch nichts als durch Ort, Zeit und Geschlecht verbundene Biografien lässt sich nicht rechtfertigen. Es gab bedeutende Frauen in Berlin der letzen 150 Jahre. Ja.  Politische. Malende. Schreibende. Skandalöse. Forschende. Entdeckende. Und jede einzelne dieser Kategorien verdiente eine angemessene Präsentation. Aber keine Frau hat es verdient, so beliebig - vorgeführt zu werden.







Dienstag, 8. März 2016

Zum Internationalen Frauentag: Vielen Dank!

Der 8. März wird international als Tag der Frau begangen.

Nach verschiedenen anderen Daten, unter anderem dem 17. März mit bewusstem Bezug auf den folgenden 18. März als Gedenktag der deutschen Revolution von 1848, wird seit 1921 international am 8. März gefeiert. 

Am 8. März 1917 – nach dem damals in Russland verwendeten julianischen Kalender der 23. Februar – streikten in Sankt Petersburg die Arbeiter- und Soldatenfrauen und erstmals auch Bauernfrauen der armen Stadtviertel auf der Wyborger Seite und lösten damit die Februarrevolution aus. Zu Ehren der Rolle der Frauen in der Revolution wurde auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt. (wikipedia am 7.3.2016  - hier).

Ich habe ein Leben lang erfolgreich auf Frauen vertrauen können, und heute ist ein gutes Datum, dafür zu danken. Lasst mich auch in Zukunft nicht fallen.


Mit meiner Mutter - ca. 1959
Mit meinen Schwestern - ca. 1970

Mit Frau, Kind und Hund - 2003



Freitag, 26. Februar 2016

Mit Gemeinwohl Schindluder treiben*

Zur Pfungstädter Innenstadtentwicklung habe ich kürzlich über die Zukunft des ehemaligen E-Werks geschrieben, ich muss das hier ergänzen:

Am 24. 2. hat die Pfungstädter Stadtverordnetenversammlung zum E-Werk einen Beschluss gefasst, über den das Darmstädter Echo unter der Überschrift „SPD und CDU setzen Teilabriss durch” berichtet. 


Gemach, gemach. Wenn ich das Durcheinander mit Anträgen, Änderungsanträgen und Beschlüssen richtig verstehe, heißt es im mit dem Stimmen der beiden Parteien gefassten Beschluss: 

„Erweiterung der vorhandenen Freifläche durch Rückbau der Halle unter Beachtung des Status des ehemaligen E-Werks als Industriedenkmal”. 

Rückbau. So hätten Sie's gerne. Warten wir ab, was sich die Denkmalbehörde gefallen lassen wird - und was nicht. Meiner Bemerkung: 
Das Gebäude, mit dem die Stadt um 1911 nicht nur die örtliche Wasser- und Elektrizitätsversorgung organisierte, sondern das gleichzeitig auch mittels eines Erdkanals die naheliegende Schule und eines der ersten hessischen Hallenbäder  ... mit Wärme versorgte, ist ein Industrie- und stadtgeschichtliches Denkmal allererster Güte. 



Dabei ist nicht in erster Linie das kleine Verwaltungshaus schützenswert, das im Typus des Pfungstädter Ziegelsteinbaus der Zeit durchaus ein ansehnliches Gebäude darstellt, und auch nicht nur die immerhin als unbestritten schutzwürdig anerkannte Hallenfassade, sondern ganz besonders die bisher kaum oder gar nicht erwähnten Reste der eigentlichen Industrieanlage: unter dem teils noch mit den originalen Kacheln belegtem Fußboden der Halle verbirgt sich ein Kellerlabyrinth, das Heiz- und Abluftkanäle, die Verbindung zu den gegenüberliegenden Brunnen und den Zugang zum fast völlig erhaltenen Versorgungskanal beherbergt.
habe ich nichts hinzuzufügen.

Es findet sich auch eine „Stellungnahme des Bürgermeisters”, die offenbar von einer Protokollantin verfasst und um Nachsätze ergänzt wurde. Diese lauten:  

„Im Zuge der Diskussion, in der sich abzeichnete, dass der Änderungsantrag der CDU mehrheitsfähig sein würde, bat Bürgermeister Koch darum, die Beschlussempfehlung für den Fall, dass (der - pb) heutige Beschluss (Änderungsantrag CDU zu Ds 40/16) nicht mit dem Denkmalschutz übereinstimmt (, - pb) dahingehend zu erweitern, dass die Verwaltung beauftragt wird (, - pb) den Beschlussvorschlag Ds 29/16 umzusetzen, da die Zeit drängt und man so eine evtl. notwendige weitere Sondersitzung verhindern könnte. Die Anregung des Bürgermeisters wurde im Zuge der Beratung und Beschlussfassung nicht weiter aufgegriffen und von den Stadtverordneten entsprechend offenbar nicht gewünscht.(Hervorhebung von mir - pb)
Pikant, dass hier offenbar Dissenz mindestens über das erforderliche Procedere eingetreten ist - der Bürgermeister hat es verstanden, sich im Voraus für die bevorstehenden Disaster zu entschulden. Den beiden Parteien, die sich in der Absicht des Durchregierens behindert sehen, ist das offenbar wurscht - Konsequenzen werden erst nach der bevorstehenden Kommunalwahl zu Tage treten. Der grüne Stadtverordnete Wolf Edelmann hat laut ECHO im oben verlinkten Artikel dazu gesagt: „Wenn das Geld weg ist, müssen wir das Denkmal aus der eigenen Tasche finanzieren”.

 Von Seiten der CDU werden alle Investitionspläne mit der ungeheuerlichen Bemerkung „Das ist mit dem Gemeinwohl nicht zu vereinbaren” kommentiert, womit offenbar gemeint ist, dass Aufwand für den Erhalt der Gebäude dem Wohl der Pfungstädter schaden würde. Das, nachdem die Stadtverordneten die Verantwortung für den verkommenen Zustand der Immobilie tragen und über Jahrzehnte geduldet haben. Tatsächlich haben sie bis heute weder verstanden, welch einen Schatz die Immobilie tatsächlich darstellt, noch, warum es in Pfungstadt so aussieht, wie es in Pfungstadt aussieht.

Ich habe ja im letzen Beitrag schon darauf hingewiesen, dass eine angemessene Erhaltung des Bauwerks durchaus auch die Pläne derjenigen in Frage stellt oder mindestens verkompliziert, die sich dort einen Kunst- und Veranstaltungsort wünschen, und möchte das hier noch einmal betonen: es wird nicht einfach werden, und es werden schmerzhafte Kompromisse gefunden werden müssen. Dafür, dass das nicht vor zehn Jahren geschehen ist, tragen diejenigen Verantwortung, die stattdessen hinter jedem Schwein hergelaufen sind, das durch die Brunnenstrasse getrieben wurde.

 * Die Brüder Grimm (die die Pfungstädter Straßenbenenner, die wirklich nichts auslassen, sich 
lächerlich zu machen,  unglaublicherweise  „Gebrüder” nennen) haben die Begriffe so definiert:  

gemeinwohl, n. das gemeine beste, staatswohl, nach dem engl. common weal, common-wealth im 18. jh. aufgekommen, anfangs das gemeine wohl (der ältere ausdruck war das gemeine gut, s. gemein 3, b, γ), gemeinwohl bei Campe als neu, belegt aus Voss und Benzel-Sternau.
 schindluder, n. ... 4) sehr verbreitet ist die redensart mit einem schindluder spielen oder treiben, ihn zum narren halten, auf rohe weise verspotten. Campe. Wander 4, 189. Vilmar 349. Albrecht a. a. o. Kleemann 18c. Jecht 93b. Bernd a. a. o. Castelli a. a. o. Hügel a. a. o. mit einem schindluderles spielen Spiesz a. a. o., treiba, von dingen, schimpflichen miszbrauch davon machen Sartorius a. a. o. mett sein leiwe schindluder spielen, arg verfahren Jecht a. a. o. er trieb nicht schindluder mit eid und gewissen. Gotthelf erz. 3, 250. 

Das gemeine Gut auf rohe Weise verspotten. Ach ja. 


Donnerstag, 25. Februar 2016

Denkmalschutz auf pfungstädterisch: Sanieren durch Abriss


In Pfungstadt ist offenbar gerade eine Art von Nachkarneval ausgebrochen. Die beiden großen Parteien haben entschieden, den Begriff Innenstadtsanierung auf die Art und Weise zu interpretieren, die sie am besten beherrschen: Entfernung des Alten ohne Strategie für das Neue.

So ist seit den sechziger Jahren ein Schmuckstück der Stadtgeschichte nach dem anderen ohne Not verschwunden und durch Gesichtsloses ersetzt worden. 
Pfngstadt, Borngasse. In der Mitte die Anwesen, die zum Bau
der Volksbank in den sechziger Jahren geschleift wurden
Die Hofreiten Ecke Mittelgasse/Borngasse und das gegenüberliegende Fachwerkhaus Ecke Borngasse/Kirchstraße, beide nicht zuletzt von einiger Bedeutung durch ihre jüdischen Besitzer, wurden dem Erdboden gleichgemacht. An Stelle des einen steht heute das Siebziger-Jahre-Bauverbrechen der ehemaligen Volksbank, das diese der Kommune als »Stadthaus 2« abgetreten hat. An Stelle des anderen klafft an Stelle des abgebrochenen »Haus Jeidl« ein unbedeutendes Plätzchen wie eine Lücke im Gebiss. Der Malzfabrik, deren Turm wenige Meter weiter als ein Ausrufezeichen unfähiger Innenstadtentwicklung zu einem traurigen Wahrzeichen der Gemeinde wurde, wurde in jüngster Zeit an Stelle der nächsten beseitigten Fachwerkhäuser eine in Beton gegossene Rücksichtslosigkeit erlaubt, die jeder Beschreibung spottet. Das Gelände des Unternehmens, das schon vor Jahrzehnten hätte in die Ortsperipherie verlegt werden müssen, umschließt mit Krakenarmen das heute kaum noch zu identifizierende älteste Haus Pfungstadts, das ehemalige Pfarrhaus aus dem 16. Jahrhundert. 
Pfungstadt, Borngasse. Ehemaliges Pfarrhaus.
Ältestes erhaltenes Haus der Stadt. 
 
Wieder wenige Schritte weiter gähnt ein gesichtsloser Parkplatz am Ort des jüdischen Internats, das als städtisches »Armenhaus« zugrunde gerichtet wurde und schließlich dem Bagger zugunsten eines Parkplatzes weichen musste. 
Pfungstadt, Mainstraße. Ehemaliges Jüdisches Institut.
1893 kurzfristig Wirkungsstätte Chaim Weizmanns, des späteren ersten Präsidenten Israels. 
Jetzt soll ein weiterer Nagel in den Schandpfahl der Stadtzerstörung eingeschlagen werden: die Reste der Ziegelsteinhalle des Wasser- und Elektrizitätswerks, von der bereits vor Jahrzehnten eine Hälfte weggeschafft wurde und die bisher allen »städtebaulichen Initiativen« widerstand, sollen nun endlich verschwinden, angeblichen Denkmalschutzauflagen geschuldet soll nur die Fassade sinn- und funktionslos stehen bleiben. 
Das ehemalige E-Werk in der Stadtmitte. Zustand noch mit dem
(späteren) Schlauchtrockenturm, der inzwischen entfernt wurde
Diese Baumaßnahme soll aus Landesmitteln der Innenstadtsanierung finanziert werden, die der Gemeinde bisher schon so nützliche Errungenschaften verschafft hat wie die Pflasterung zahlreicher Straßen mit rotem Beton, auf dem Gehbehinderte wanken und Rollstühle und Kinderwagen zu unkontrollierten Aktionen neigen oder Bürgersteige, deren »Breite« von kaum einem Meter unvermittelt auf weniger als 30 cm (!) schrumpft. 
 
Das Gebäude, mit dem die Stadt um 1911 nicht nur die örtliche Wasser- und Elektrizitätsversorgung organisierte, sondern das gleichzeitig auch mittels eines Erdkanals die naheliegende Schule und eines der ersten hessischen Hallenbäder (das übrigens als Sporthalle über dem zugeschütteten Jugendstilbecken einen Dornröschenschlaf schläft, der durchaus nicht unumkehrbar sein muss ...) mit Wärme versorgte, ist ein Industrie- und stadtgeschichtliches Denkmal allererster Güte. 
Dabei ist nicht in erster Linie das kleine Verwaltungshaus schützenswert, das im Typus des Pfungstädter Ziegelsteinbaus der Zeit durchaus ein ansehnliches Gebäude darstellt, und auch nicht nur die immerhin als unbestritten schutzwürdig anerkannte Hallenfassade, sondern ganz besonders die bisher kaum oder gar nicht erwähnten Reste der eigentlichen Industrieanlage: unter dem teils noch mit den originalen Kacheln belegtem Fußboden der Halle verbirgt sich ein Kellerlabyrinth, das Heiz- und Abluftkanäle, die Verbindung zu den gegenüberliegenden Brunnen und den Zugang zum fast völlig erhaltenen Versorgungskanal beherbergt. 
 Es steht außer Frage, dass gerade diese erhaltenen Strukturen die Denkmalwürdigkeit der Anlage ausmachen, auch wenn sie möglicherweise dem allgemeinen Schönheitsempfinden nicht entsprechen. Es ist kein Zufall, dass diese Keller in den bisherigen Diskussionen keine Rolle spielen - tatsächlich können sie nämlich nicht nur die Abrisspläne der Stadtverordneten, sondern auch die teils hochfliegenden Pläne der Kulturzentrums-Befürworter erheblich behindern. Ernst genommener Denkmalschutz muss von dem Industriedenkmal aber alles sichern, was seine historische Verwendung dokumentiert. Dass bei der Sanierung des Vorplatzes der evangelischen Kirche in den letzten Jahren der bis dahin hundert Jahre lang stabile Versorgungskanal eingestürzt und zerstört wurde, war vermeidbar und ist nicht zu verzeihen. Jetzt macht man sich daran, das Zerstörungswerk fortzusetzen. Mit der Behauptung, dabei gehe es »nur« um den Abriss einiger oberirdischer Ziegelsteinwände, die den Erhalt nicht wert seien, wird dabei der eigentliche Wert des Denkmals klein geredet oder bewusst geleugnet.
Tatsächlich hat Pfungstadt eine bewahrenswerte Stadtgeschichte, besonders aus den Jahren 1848 bis 1918, die für die Industrialisierung Deutschlands sowohl exemplarisch wie vorbildlich ist und immerhin an wenigen Stellen erhaltene authentische Orte hat: 
 
Pfungstadt, früheres Hallenbad.
Das Becken liegt zugeschüttet unter der heutigen Trainingshalle
dazu gehören die Überreste des kleinen Hallenbades ebenso wie das Maschinenhaus der Brauerei mit den Teilen der großen Dampfmaschine, die die erste elektrische Kühlung von Justus Hildebrands Brauerei betrieb, 
Das Schwungrad der Dampfmaschine in der Maschinenhalle der Pfungstädter Brauerei
die Villa, die sich der Unternehmer Wilhelm Büchner 1862 auf dem Gelände seiner »Blaufabrik« errichten ließ, 
 
Villa Büchner zu Beginn der Sanierungsarbeiten 2002.
Der Baum ist mittlerweile gefällt ...
 
und eben das Wasser- und Elektrizitätswerk mit allen Überresten der damals hochmodernen Technik. 
Es bleibt zu hoffen, dass die Denkmalschutzbehörden die Stadtverordneten deutlich an ihre Pflichten erinnern. Mit der Halle des E-Werks und ihren historischen Kellern verlöre Pfungstadt erneut ein Stück seiner Geschichte. Und erneut würde noch nicht einmal Zukunftsweisendes an seine Stelle treten - sondern nur Fassade.

Freitag, 22. Januar 2016

Filmvorführung „Suffragette” am 4.2. in Darmstadt

NACHTRAG: Inzwischen sind spannende Rezensionen erschienen.






Als Vorstandsmitglied  der Luise-Büchner-Gesellschaft konnte ich in den letzen Tagen in einer wunderbaren Kooperation eine Filmvorführung mit anschließendem Gespräch organisieren. 

Da alle Absprachen mit liebenswürdigen Menschen, meist sogar Freundinnen, erfolgen konnten, war das von außergewöhnlicher Unkompliziertheit.

Marcel Kurth, der Gesamtbetriebsleiter Kinopolis Management Multiplex GmbH, hat sich im Dezember Zeit für ein ausführliches Gespräch mit mir genommen und erläutert, wie welche Kooperationen zwischen Kino und Verein denkbar und umzusetzen sind, und seitdem geduldig und freundlich weiter geholfen. 

Bascha Mika bei der Preisverleihung

Nachdem dann Professor Bascha Mika,
die Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau und Preisträgerin des ersten Luise-Büchner-Preises für Publizistik von 2012, ein bisschen gedrängt von Ihrer liebenswürdigen Assistentin Ursula Völker, zugesagt hat, sich für einen Abend in die Niederungen der hessischen Provinz zu begeben, erhielt ich binnen Stunden die Zusage von
Ursula Eul (Mitte) als Präsidentin
des Lions Club Louise Büchner
mit Agnes Schmidt und Julia Voss
 Dr. Ursula Eul,  Abteilungsleiterin Strategisches Management beim Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF und von der Darmstädter Stadträtin Barbara Akdeniz

Für alle drei Frauen ist es, denke ich, nicht erforderlich, ihre Kompetenz zur vorgeschlagenen Diskussions-Überschrift „Was erreicht wurde und was noch zu tun ist” zu erläutern.

Nach dem Fim über die tapferen und mutigen Frauen der britischen Frauenrechtsbewegung soll es um nichts weniger als darum gehen, zu reflektieren, welche Aufgaben noch zu erledigen sind, bis endlich nach Geschlecht, Herkunft, Rasse, Wissen und Besitz gleichberechtigte Menschen in einer besseren Welt glücklich zusammen leben können. Ich fürchte, wir werden das nicht abschließend diskutieren können, aber ein paar Hinweise, was wir alle für uns besser machen und wie wir gemeinsam die nächsten Steine aus dem Weg räumen könnten, werden wir wohl hinkriegen. 



Dass dieser Beitrag als Einladung gemeint ist, versteht sich ja wohl von selbst - das Kino ist gut geheizt! 






Montag, 7. September 2015

Alle Menschen waren Flüchtlinge - irgendwann

blogger für flüchtlinge
„Blogger für Flüchtlinge” ruft auf, Flagge zu zeigen und „einen Artikel zum Thema zu schreiben”. Unter dem link dorthin finden sich weitere Informationen, wer wie wo helfen kann.

Über lokale Aktivitäten und Hilfsmöglichkeiten finden sich Informationen bei Facebook. „Darmstadt für Flüchtlinge” hat die Herausforderung der Zuweisung von hunderten von Flüchtlingsfamilien nach Darmstadt mit ehrenamtlicher Arbeit vorbildlich gemeistert, und unter Asylkreis Pfungstadt berichtet Halima Gutale aus Pfungstadt.

Und der Hessische Rundfunk hat zum hashtag #peoplelikeme hier ein Angebot eingestellt, wo benötigte Hilfe recherchiert werden kann. 


Kapelle auf der Ufenau
Das ist ein kleines romanisches Kirchlein auf der Insel Ufenau im Zürichsee.

Um 1300 lebte dort Albert Heusser, und das ist mein frühester bekannter Vorfahr.

300 Jahre später, um 1608, hat seine Nachfahrin Margareta Heusser aus Hombrechtikon den ersten mir bekannten Brunner in meiner Ahnenreihe, Hans Heinrich Brunner aus Wolfhausen/Grüningen am Zürichsee, geheiratet. Dessen Sohn, der auch Hans Heinrich hieß, ist nach dem Dreissigjährigen Krieg mit seiner Frau Judith Kunz und einigen Verwandten im Odenwald eingewandert. Sie ließen sich im Odenwalddorf Fränkisch-Crumbach nieder, das seit den 1640er Jahren in Folge der Kriegsverwüstungen ausgestorben war. Die Schweizer Wirtschaftsflüchtlinge begründeten eine muntere Schar von Odenwälder Brunners, die sich mit den ansässigen Odenwäldern versippten und verschwägerten.

Seine Heimat verlassen, um woanders sein Glück zu suchen, ist nicht neu.
 

„Etwas besseres als den Tod finden wir überall”


ist das Motto der Bremer Stadtmusikanten, die ja selbst eine Metapher für Auswanderung aus Armut und Bedrängnis sind.

In jeder von uns steckt diese Erfahrung, die Weltgeschichte hat wohl kaum eine Familie über zig Generationen sicher und satt am gleichen Ort leben lassen. Und diese kollektive Erinnerung  muss uns Ansporn und Rechtfertigung sein, allen, die diese Erfahrung zufällig gerade jetzt machen müssen, beizustehen.  



Montag, 17. August 2015

.. nos et mutamur in iis*

* und wir verändern uns in ihnen (zweiter Teil von "Die Zeiten ändern sich, ...")

Auf Facebook vagabundiert der Aufruf, fünf Tage lang ein mindestens 15 Jahre altes Bild von sich selbst zu posten und dabei täglich einen weiteren FB-Kontakt aufzufordern, dasselbe zu tun. Nachdem der Kelch lange an mir vorüberging, hat mich schließlich Rainer Sens, der Bürgermeister von Hirschhorn am Neckar und Freund seit einer gemeinsamen Regionalberater-Schulung, erwischt. Ich hab also seit Donnerstag fünf Bilder gepostet, allerdings darauf verzichtet, weitere Opfer” zu benennen. Zum Schneeballeffekt gehört ja auch das Abschmelzen, finde ich.

Ich hatte richtigen Spaß beim Durchsehen der alten Fotos, und weil Fb-Postings ja doch sehr vergänglich sind und auch bei weitem nicht allen meiner Freunde und Bekannten zugänglich, stelle ich die 5 Bilder auch hier ein.



Mit meiner Mutter an meinem Geburtsort Badenheim in Rheinhessen, ca. 1958

Einschulung in Wöllstein, Ostern 1962
Schuldorf Bergstrasse, 1972

Mit Tochter Luise (*1/96), Juni 1996

Friedenspreisverleihung an Martin Walser, Oktober 1998
 
Hier jetzt noch noch ein paar, für die kein Platz mehr war, die ich aber auch gerne mag, und schließlich zwei halbwegs aktuelle Bilder - to whom it may concern. 


Mit meinen beiden Schwestern. Wöllstein, ca. 1961
Mein erster (und einziger!) Tag im Kindergarten. Ca. 1960


Nikon FM2 - unerreicht! ca, 1990





Mit unserem Halb-Chow Kira ca. 2.000 auf der Mathildenhöhe (both still alive and kickin'!)