Freitag, 22. Januar 2016

Filmvorführung „Suffragette” am 4.2. in Darmstadt

NACHTRAG: Inzwischen sind spannende Rezensionen erschienen.






Als Vorstandsmitglied  der Luise-Büchner-Gesellschaft konnte ich in den letzen Tagen in einer wunderbaren Kooperation eine Filmvorführung mit anschließendem Gespräch organisieren. 

Da alle Absprachen mit liebenswürdigen Menschen, meist sogar Freundinnen, erfolgen konnten, war das von außergewöhnlicher Unkompliziertheit.

Marcel Kurth, der Gesamtbetriebsleiter Kinopolis Management Multiplex GmbH, hat sich im Dezember Zeit für ein ausführliches Gespräch mit mir genommen und erläutert, wie welche Kooperationen zwischen Kino und Verein denkbar und umzusetzen sind, und seitdem geduldig und freundlich weiter geholfen. 

Bascha Mika bei der Preisverleihung

Nachdem dann Professor Bascha Mika,
die Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau und Preisträgerin des ersten Luise-Büchner-Preises für Publizistik von 2012, ein bisschen gedrängt von Ihrer liebenswürdigen Assistentin Ursula Völker, zugesagt hat, sich für einen Abend in die Niederungen der hessischen Provinz zu begeben, erhielt ich binnen Stunden die Zusage von
Ursula Eul (Mitte) als Präsidentin
des Lions Club Louise Büchner
mit Agnes Schmidt und Julia Voss
 Dr. Ursula Eul,  Abteilungsleiterin Strategisches Management beim Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF und von der Darmstädter Stadträtin Barbara Akdeniz

Für alle drei Frauen ist es, denke ich, nicht erforderlich, ihre Kompetenz zur vorgeschlagenen Diskussions-Überschrift „Was erreicht wurde und was noch zu tun ist” zu erläutern.

Nach dem Fim über die tapferen und mutigen Frauen der britischen Frauenrechtsbewegung soll es um nichts weniger als darum gehen, zu reflektieren, welche Aufgaben noch zu erledigen sind, bis endlich nach Geschlecht, Herkunft, Rasse, Wissen und Besitz gleichberechtigte Menschen in einer besseren Welt glücklich zusammen leben können. Ich fürchte, wir werden das nicht abschließend diskutieren können, aber ein paar Hinweise, was wir alle für uns besser machen und wie wir gemeinsam die nächsten Steine aus dem Weg räumen könnten, werden wir wohl hinkriegen. 



Dass dieser Beitrag als Einladung gemeint ist, versteht sich ja wohl von selbst - das Kino ist gut geheizt! 






Montag, 7. September 2015

Alle Menschen waren Flüchtlinge - irgendwann

blogger für flüchtlinge
„Blogger für Flüchtlinge” ruft auf, Flagge zu zeigen und „einen Artikel zum Thema zu schreiben”. Unter dem link dorthin finden sich weitere Informationen, wer wie wo helfen kann.

Über lokale Aktivitäten und Hilfsmöglichkeiten finden sich Informationen bei Facebook. „Darmstadt für Flüchtlinge” hat die Herausforderung der Zuweisung von hunderten von Flüchtlingsfamilien nach Darmstadt mit ehrenamtlicher Arbeit vorbildlich gemeistert, und unter Asylkreis Pfungstadt berichtet Halima Gutale aus Pfungstadt.

Und der Hessische Rundfunk hat zum hashtag #peoplelikeme hier ein Angebot eingestellt, wo benötigte Hilfe recherchiert werden kann. 


Kapelle auf der Ufenau
Das ist ein kleines romanisches Kirchlein auf der Insel Ufenau im Zürichsee.

Um 1300 lebte dort Albert Heusser, und das ist mein frühester bekannter Vorfahr.

300 Jahre später, um 1608, hat seine Nachfahrin Margareta Heusser aus Hombrechtikon den ersten mir bekannten Brunner in meiner Ahnenreihe, Hans Heinrich Brunner aus Wolfhausen/Grüningen am Zürichsee, geheiratet. Dessen Sohn, der auch Hans Heinrich hieß, ist nach dem Dreissigjährigen Krieg mit seiner Frau Judith Kunz und einigen Verwandten im Odenwald eingewandert. Sie ließen sich im Odenwalddorf Fränkisch-Crumbach nieder, das seit den 1640er Jahren in Folge der Kriegsverwüstungen ausgestorben war. Die Schweizer Wirtschaftsflüchtlinge begründeten eine muntere Schar von Odenwälder Brunners, die sich mit den ansässigen Odenwäldern versippten und verschwägerten.

Seine Heimat verlassen, um woanders sein Glück zu suchen, ist nicht neu.
 

„Etwas besseres als den Tod finden wir überall”


ist das Motto der Bremer Stadtmusikanten, die ja selbst eine Metapher für Auswanderung aus Armut und Bedrängnis sind.

In jeder von uns steckt diese Erfahrung, die Weltgeschichte hat wohl kaum eine Familie über zig Generationen sicher und satt am gleichen Ort leben lassen. Und diese kollektive Erinnerung  muss uns Ansporn und Rechtfertigung sein, allen, die diese Erfahrung zufällig gerade jetzt machen müssen, beizustehen.  



Montag, 17. August 2015

.. nos et mutamur in iis*

* und wir verändern uns in ihnen (zweiter Teil von "Die Zeiten ändern sich, ...")

Auf Facebook vagabundiert der Aufruf, fünf Tage lang ein mindestens 15 Jahre altes Bild von sich selbst zu posten und dabei täglich einen weiteren FB-Kontakt aufzufordern, dasselbe zu tun. Nachdem der Kelch lange an mir vorüberging, hat mich schließlich Rainer Sens, der Bürgermeister von Hirschhorn am Neckar und Freund seit einer gemeinsamen Regionalberater-Schulung, erwischt. Ich hab also seit Donnerstag fünf Bilder gepostet, allerdings darauf verzichtet, weitere Opfer” zu benennen. Zum Schneeballeffekt gehört ja auch das Abschmelzen, finde ich.

Ich hatte richtigen Spaß beim Durchsehen der alten Fotos, und weil Fb-Postings ja doch sehr vergänglich sind und auch bei weitem nicht allen meiner Freunde und Bekannten zugänglich, stelle ich die 5 Bilder auch hier ein.



Mit meiner Mutter an meinem Geburtsort Badenheim in Rheinhessen, ca. 1958

Einschulung in Wöllstein, Ostern 1962
Schuldorf Bergstrasse, 1972

Mit Tochter Luise (*1/96), Juni 1996

Friedenspreisverleihung an Martin Walser, Oktober 1998
 
Hier jetzt noch noch ein paar, für die kein Platz mehr war, die ich aber auch gerne mag, und schließlich zwei halbwegs aktuelle Bilder - to whom it may concern. 


Mit meinen beiden Schwestern. Wöllstein, ca. 1961
Mein erster (und einziger!) Tag im Kindergarten. Ca. 1960


Nikon FM2 - unerreicht! ca, 1990





Mit unserem Halb-Chow Kira ca. 2.000 auf der Mathildenhöhe (both still alive and kickin'!)  



Sonntag, 26. Juli 2015

Tage der Industriekultur 2015: Frankfurter Campusführung

Im August letzten Jahres habe ich hier schon einmal von einem Ausflug in einen mir unbekannten Teil Frankfurts berichtet.

Gestern waren wir im Rahmen der 13. Tage der Industriekultur zu einer Besichtigung auf dem immer noch neuen Frankfurter Campus, besonders in und um das IG-Farben-Haus, Hans Poelzigs sensationellen Bau von 1931, der uns nicht ganz so fremd war wie letztes Jahr Höchst.


 

Einerseits habe ich noch Erinnerungen an das abgeschirmte Gelände als Sitz der US-Militärverwaltung, andererseits war ich sozusagen Zeitzeuge des Übergangs zunächst an den Bund, der Diskussionen über die künftige Verwendung und schließlich der Übergabe an die Frankfurter Universität in den neunziger Jahren. Ich erinnere mich an die unwirkliche Situation der gerade von den Amerikanern verlassenen Räume, die für so viel Vergangenheit standen und deren Zukunft so unklar war. Durch die Verbindung mit der verbrecherischen Geschichte der IG-Farben trägt das Haus Attribute, die nicht gelöscht werden können und heute auch nicht geleugnet, sondern angemessen gezeigt werden.



Seitdem bin ich immer wieder mal als Spaziergänger, selten auch als Gast einer Veranstaltung, im und um den Poelzig-Bau gewesen. Einige der Fotos hier sind daher auch nicht erst gestern entstanden.

Dr. Astrid Jacobs von „Kultur-Erlebnis” führte (an diesem Tag schon zu zweiten Mal) eine Gruppe von an die vierzig Besucherinnen, die alle das Lebensalter von Studentinnen schon weit überschritten hatten. Die gut gelaunte und hochkompetente Führung hat mir neue Perspektiven eröffnet und (auch im ganz wörtlichen Sinn) Zugänge geschaffen. Dazu gehörte natürlich besonders die Öffnung von nicht jederzeit zugänglichen Räumen wie dem „kleinen Konferenzraum”, der nach der Befreiung Eisenhowers Büro war und in dem hessische, deutsche und europäische Geschichte gemacht wurde.

Poelzig-Bau Frankfurt, „Kleiner Konferenzraum”

Hier wurde die Proklamation „Groß-Hessens” verkündet, der Auftrag zur Abfassung des Grundgesetzes überreicht und die Ablösung der Reichsmark durch die D-Mark verfügt.

Die wunderbare Holztäfelung des Raumes war unter den Amerikanern übrigens unter einer zuletzt 7-fachen Schicht von - DC-Fix-Klebefolie verborgen ... Immerhin hat das sicher nicht unerheblich zur Erhaltung beigetragen, währen anderen Räumen das Squasch-Spielen weniger gut bekommen ist.

Poelzig-Bau Frankfurt, Bibliothek im ehemaligen großen Konferenzraum

Aus dem großem Konferenzraum ist ein Teil der Bibliothek geworden (an der Stirnseite der Tische ist ein grüner Goethe zu erkennen - Überrest von Otmar Hoerls Installation 2014).

Poelzigs Bau ist eine Architekturikone, was sich nicht nur im grandiosen Äusseren und der fast sensationellen Funktionalität des Gebäudes erweist, sondern eben auch und gerade in zahlreichen Details.

Poelzig-Bau Frankkfurt, Dachterasse

Poelzig-Bau Frankfurt, „Reichsformdrücker No. 16”, von Poelzig entwickelter Türgriff

Poelzig-Bau Frankfurt, Gang im ersten OG
Poelzig-Bau Frankfurt, Haupttreppenhaus, Details des Geländers

Poelzig-Bau Frankfurt, Blick in Haupttreppenhaus


Poelzig-Bau Frankfurt, Paternoster (nur des Wochenendes wegen abgesperrt;
ansonsten aber trotz Berliner Bedrohungen wochentags in ständigem Einsatz)
Poelzig-Bau Frankfurt, Blick durch die Cafeteria auf das Kasino

Poelzig-Bau Frankfurt, Kasino

Poelzig-Bau Frankfurt, Blick von Norden über Fritz Klimsch's „Nymphe am Wasser"

Poelzig-Bau Frankfurt, Blick von Nordost



Poelzig-Bau Frankfurt, Kasino, das freigelegte Fresko „Arkadien” von Georg Heck.
Details dazu bei Monumente, dem Magazin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Überraschend gut gelungen ist auch der neue Bauabschnitt des Campus mit zahlreichen Neubauten, die auf ein Auftrumpfen gegenüber den historischen Gebäuden erfreulicherweise verzichten. 

Campus Frankfurt, Blick auf das Hörsaalgebäude

Campus Frankfurt, Treppenhaus im Hörsaalgebäude

Campus Frankfurt, Großer Hörsaal

Blick nach Westen von der Terasse des Hörsaalgebäudes mit „House of Finance”
und dem Gebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Campus Frankfurt, Treppenhaus im Hörsaalgebäude
 Das einzige Graffito auf dem ansonsten fast klinisch sauberen gesamten Gelände (beeindruckend insbesondere für die, die sich an den alten Campus Bockenheim erinnern ...), das wir gesehen haben,  erinnert zu Recht an den zu Zwangsarbeit gepressten Norbert Wollheim, der einen Musterprozeß für seine  Entschädigung gegen die IG Farben führte









Sonntag, 21. Juni 2015

In einer deutschen Amtsstube riecht alles nach der Apotheke

Herr von Hornthal hat in der bayerischen Kammer der Abgeordneten den Antrag gemacht,

daß man die bestehenden strengen Verordnungen über die pflichtmäßige Verschwiegenheit der Beamten, 

als unvereinbar mit einer konstitutionellen Regierung, aufheben oder lindern möchte. 


Das ist ein Wort zu seiner Zeit, aber freilich nur ein Wort, und zu einer langen Rede wäre Stoff genug vorhanden. Wenn irgend eine Regierung geheimnisvoll verfährt, so ist dies das Traurigste nicht – das Traurigste wäre, wenn sie das Bedürfnis fühlte, so zu verfahren.
Wenn bestehende und bekannte Gesetze in gegebenen Fällen nach voraus bestimmten Regeln angewendet werden, wozu täte dann Verschwiegenheit der Beamten not? Sollte man nicht vielmehr jede Gelegenheit benutzen, den Bürgern, die sich selten auf den theoretischen Wert der Gesetze verstehen, bei deren Ausübung zu zeigen, wie nützlich sie sind? Wozu jener Hokuspokus und aller sonstiger Schnickschnack, dem man in dem Treiben der Beamten so oft begegnet?
Ernst soll der Gesetzgeber, streng der Richter, aber der Verwaltungsbeamte kann nicht heiter, nicht freundlich, nicht zutraulich, nicht offen genug sein. Man muß denjenigen Teil der Regierung, der heilkünstlerisch verfährt und die Schärfe des wundärztlichen Messers wie die Bitterkeit der Arzneien nicht erlassen kann, von demjenigen unterscheiden, der die Lebensordnung der Bürger regelt und sich nur der Hausmittel bedient.
Aber in einer deutschen Amtsstube riecht alles nach der Apotheke. Tritt man hinein, so geschieht von zweien Dingen eins. Entweder man ist unerfahren, und dann fühlt man sich das Herz wie zugeschnürt über diese ängstliche Stille, diese Grämlichkeit der Beamten und ihr geisterartig hohles und gefühlloses Reden. Oder man kennt die Welt, und dann lächelt man nur allzu viel, weil man nur allzu gut weiß, daß diese finstern Götter so unerbittlich nicht sind. In dem einen Falle geht die Liebe, in dem andern die Achtung verloren.

(Ludwig Börne)

Dienstag, 16. Juni 2015

Zwischen Vergangenheit und Zukunft fließt ein breiter Strom

Was den Übergang der alten Zeit in die neue so blutig macht, ist die Enge des Weges, der von jener zu dieser führt. Zwischen Vergangenheit und Zukunft fließt ein breiter Strom, die Gegenwart ist die Brücke darüber. Die Angreifenden und die, welche sich verteidigen, die Vordringenden und die Fliehenden, treiben, drängen und hindern sich darauf. Tausend Schlachtopfer fallen fruchtlos, ohne den Sieg zu beschleunigen noch die Niederlage zu verzögern. Aber der Mensch muß auch gerecht gegen sich selbst sein, das ist nicht seine Schuld, das Schicksal hat es zu verantworten.

(Ludwig Börne)

Dienstag, 9. Juni 2015

Börne über die Vergeblichkeit von Postzensur


* 6. Mai 1786 in Frankfurt am Main, † 12. Februar 1837 in Paris

Auf twitter veröffentliche ich seit letzter Woche unter @Ludwig_Boerne täglich einen Börne-Aphorismus. Gelegentlich werde ich hier den vollständigen Text posten, so in diesem Fall, der für Börnes unglaubliche Aktualität steht: 

Aus einer Rede, die der Abgeordnete Girardin in der französischen Kammer gehalten, erfährt man, daß unter der alten königlichen Regierung die Briefe auf der Post eröffnet wurden, daß dieses unter Napoleon auch geschah und daß es jetzt noch immer geschehe. Sooft man mit manchen Staatsmännern von dergleichen Gegenständen spricht, lächeln sie, und das ist auch wirklich das beste, was sie tun können, denn wie ließe sich ein Lächeln widerlegen? Es ist ein Alphabet, worin die Bestandteile aller möglichen Meinungen enthalten sind. Was antworten sie aber darauf, wenn man sie fragt: haben jene Eingriffe in das Eigentum Ludwig XVI. gerettet, haben sie Napoleon vor dem Untergange bewahrt? Wenn man sie fragt: haben tausend abgeschmackte Polizeikünste, deren Anwendung man sich immer noch nicht schämt, haben sie die spanische, die portugiesische und andere Revolutionen, haben sie den Abfall der südamerikanischen Staaten verhindert? – Was werden sie darauf erwidern können? Werdet ihr nie begreifen, daß ihr es nicht mit Personen zu tun habt, sondern daß euch Sachen feindlich gegenüberstehen, und daß eine Sache, wie die Luft, unverwundbar ist? Ihr jubelt, wenn es euch gelang, einen kleinen Raum luftleer zu machen, und ihr vergesset, daß es dann um so gefährlicher ist für euch, weil in luftleeren Räumen fallende Körper um so schneller fallen. Freilich sind solche Reden vergebens, und man wird damit ausgelacht; aber es ist besser, den Atem als den Verstand verlieren.