Sonntag, 8. März 2015

Export ins Abendland ist keine Lösung

Letzten Sonntag habe ich hier ein paar Bemerkungen anlässslich des schrecklichen Wütens des sogenannten islamischen Staates unter den unersetzlichen Kunstwerken im Irak veröffentlicht.

In der vergangenen Woche habe ich dazu noch manches gelesen; mir fiel dabei auf, mit welchem überheblichen Ton da über die irren Muslime, durchgeknallten Bilderstürme usw. usf. geschrieben wurde.

Besonders geärgert habe ich mich immer dannn, wenn mehr oder weniger deutlich bemerkt wurde, die schützenswerte Kunst könne es bei uns doch viel besser haben als bei den ignoranten Idioten da unten, und die ganze Welt könne doch nur froh sein, dass bspw. die sogenannten Elgin-Marbles von der Akropolis oder das Ischtar-Tor aus Babylon in der Sicherheit des britischen Museums oder des Pergamons-Museums stünden und nicht im Zugriff irgendwelcher Marodeure.

Ich spare mir die Wiedergabe der umfangreichen Diskussionen darüber, ob und welche Kunstwerke „legal” ausser Landes gebracht wurden und daher „zu recht” in unseren Museen stehen; darum geht es hier nicht. 

Das Ischtar-Tor im Pergamon-Museum Berlin

Ein paar der „Elgin-Marbles" von der Athener Akropolis im British Museum. London

Eine ganz kleine Web-Suche könnte die Großmäuligkeit der hochkulturellen Kunstbewahrerinnen ins rechte Licht setzen - unter „Kunst Kriegsverluste Deutschland" fand ich bei google ohne jede Mühe 44.600 Einträge, die aufs mannigfaltigste illustrieren, was unsere Hochkultur vor grade mal 70 Jahren so alles dem Orkus übergeben hat. Als einen der wirklichen zahlreichen Belege zitiere ich hier aus einer Aufstellung der „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg” -

„Opfer von Bomben und Kampfhandlungen wurden meist immobile Kunstwerke wie die Schlösser und die mit ihnen verbundenen Raumschöpfungen und Skulpturen. Betroffen waren vor allem Werke von Schlüter, Eosander, Knobelsdorff, Nahl, den Gebrüdern Hoppenhaupt, Gontard, Erdmannsdorff, Langhans und Schinkel sowie die Schlösser Berlin, Monbijou, Potsdam, Schwedt und große Teile des Schlosses Charlottenburg. Die stark beschädigten, aber rekonstruierbaren Schlösser von Berlin und Potsdam wurden später unter der DDR-Regierung gesprengt.”

Und komme mir niemand mit dem Einwand, im Irak würde die Kunstwerke ja nicht „aus Versehen”, sondern geplant zerstört und das mache einen Unterschied. Die „Reinigung” unserer Museen und Bibliotheken durch die Nazi-Vandalen z. B. fand über 12 Jahre systematisch und ziemlich erfolgreich statt.

Kunst und Kultur sind  immer Kollateralverluste kriegerischer Auseinandersetzungen, und das ändert sich nicht durch die Verlagerung von Kunstwerken, sondern nur durch die Abschaffung des Krieges.

Dazu, wie die Lage ist, dass Zerstörung nicht erst gestern einsetzte und was nun zu tun ist, schreibt Markus Hilgert am 7.3. hier in der FAZ. 


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